Warum ich aktuell eine Sanierung gegenüber einem Neubau priorisieren würde
Eine leistungsfähige Schulinfrastruktur ist für unsere Stadt zentral – doch sie muss verantwortungsvoll finanziert werden. Neubau klingt auf den ersten Blick attraktiv, doch ohne solides Finanzierungskonzept lasten jegliche „positiven Schulden“ unverhältnismäßig lange auf den Schultern der Bürgerinnen, Bürger und Gewerbebetriebe. Eine Rückzahlung über 30 Jahre und geplante Abschreibung über 80 Jahre belastet den Haushalt auch für zukünftige Generationen und mindert deren eigene Gestaltungsfreiheit.
Die Erfahrung vieler Kommunen zeigt: Wer seine Ausgaben überwiegend über Kredite steuert, riskiert, den finanziellen Spielraum für neue Projekte, Vereinsförderung oder Kultur dauerhaft einzuschränken.
Schritt für Schritt statt finanzieller Fesseln
Rom wurde nicht an einem Tag erbaut – und auch der Sanierungsstau an unseren Schulen kann nicht in wenigen Jahren komplett abgetragen werden. Entscheidend ist, dass wir nachhaltig in den Substanzerhalt investieren und dort handeln, wo der größte Nutzen für Kinder und Gesellschaft entsteht.
Als klare Priorität sehe ich deshalb den Bau der dringend benötigten Dreifach-Sporthalle. Schulsport ist eine Kernaufgabe, die sowohl die Entwicklung unserer Kinder als auch den Vereinssport nachhaltig stärkt.
Finanzierungsmodelle für eine nachhaltige Sanierung
Viele Städte haben gezeigt, dass kluge Finanzierung auch ohne übermäßige Schulden möglich ist. Dazu gehören:
- Bundes- und Landesförderprogramme: Zuschüsse von bis zu 90 % für energetische Sanierungen, Barrierefreiheit oder Modernisierung.
- NRW.BANK-Programme: zinsgünstige Darlehen, die bis zu 100 % der Kosten decken und die Eigenbelastung der Kommune senken.
- Kommunalinvestitionsförderungsfonds (KInvFG): Milliardenmittel speziell für Bildungsinfrastruktur.
- Public Private Partnerships (PPP): Kooperationen, die Bau- und Sanierungsprojekte schneller realisieren, wie etwa in Monheim am Rhein.
- Zusatzförderungen und Stiftungen: Ergänzende Investitionszuschüsse für Einzelprojekte, z. B. bei Erreichen bestimmter Energieeffizienzstandards.
Diese Instrumente eröffnen auch für Xanten die Möglichkeit, Sanierungen Schritt für Schritt umzusetzen, ohne unser Budget dauerhaft zu überlasten.
Was wir von anderen Städten lernen können
- Berlin investiert 2025 über 1,7 Milliarden Euro gezielt in Schulsanierungen, um den Bestand zu sichern.
- Münster setzte innerhalb weniger Sommerferien 6 Mio. Euro für Sanierungsmaßnahmen an 30 Schulen ein – mit klarer Priorität auf Modernisierung statt Neubau.
- Minden (NRW) kam nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung zu dem Ergebnis: Sanierung ist deutlich günstiger und nachhaltiger als Abriss und Neubau.
Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Nutzen
Sanierungen verbessern langfristig die Energieeffizienz, schaffen inklusive Lernumgebungen und schonen die kommunalen Haushalte. Neubauten auf Pump mögen kurzfristig beeindrucken, doch hohe Kreditschulden würden nicht nur die kommende Generation belasten, sondern auch andere wichtige Bereiche wie Vereinsarbeit, Kulturförderung oder Infrastruktur einschränken.
Mein Fazit
Nachhaltige Sanierungen und gezielte Investitionen sind aktuell der bessere Weg: Sie bringen spürbare Verbesserungen – ohne unseren Kindern und der Stadt dauerhaft finanzielle Fesseln anzulegen.
Mit diesem Vorgehen sichern wir gute Lernbedingungen, handeln wirtschaftlich verantwortungsvoll und eröffnen Perspektiven – für heute und kommende Generationen. So bleibt auch künftigen Generationen die nötige Gestaltungsfreiheit erhalten.
Ihr
Rafael Zur
Bürgermeisterkandidat für Xanten
